Erzählungen
Gemeinsam ist den Protagonisten in Paarmanns Erzählungen, dass sie in eigentlich geordneten
und gesicherten Verhältnissen leben, ihr Alltag feste Bezugspunkte, Regeln und Rituale hat und in einer gewissen Gleichförmigkeit
verläuft. Diese Ordnung wird durchbrochen durch scheinbar belanglose Begebenheiten – ein Riss in der Wand, eine Spinne im Keller,
eine wimmernde Katze vor der Wohnungstür, ein neu zugezogenes Kind in der Nachbarschaft. Doch diese Wesen entpuppen sich immer mehr als
Botschafter geheimnisvoller, auch abgründiger Welten, die sich in das Leben der Personen hineindrängen, gewünscht oder unerwünscht,
die gewohnten Gleise darin verschieben oder es auch ganz aus der Bahn werfen – und es schließlich doch immer mit neuem Reichtum
erfüllen.
In der Erzählung Der Tunnelgarten“ verbirgt sich hinter dem Spiegel im ebenerdigen
Packraum ein Riss, der – zu einem Tunnel geweitet – schließlich den Blick auf eine mysteriöse Landschaft freigibt, ein
Rätsel und doch zugleich die Antwort auf eine tief verborgene Sehnsucht des Bücherpackers Kalescho. Die zunächst unmerklich und
dann unübersehbar ins Gigantische wachsende Spinne im Spinnenkeller“ spinnt ihre Fäden immer tiefer in Silbergers Leben ein,
der zunehmend ihrer Faszination erliegt, bis sie ihn selbst ins Netz zieht; erst dort und in den Fieberträumen einer langen Krankheit lernt er,
seine Lebenswirklichkeit neu zu begreifen. Auch der selbstgefällige Kunstprofessor in Der Katzenmann“ muss durch eine Begegnung der
Schrecken gehen, die ihn plötzlich in einen Strudel der Selbstzweifel zieht – und doch eine neue Klarheit zurücklässt: Manchmal
war es ihm, als hätte er noch einmal sehen gelernt - oder lerne es erst: viel wacher, schärfer, beständiger.“
In allen Erzählungen manifestiert sich diese Wandlung, diese neue Blickweise, die schließlich auch die Natur einbezieht. Diese wird in einer neuen brüderlichen Vertrautheit erfahren, ein scheinbar lebloser Strauch eröffnet den Blick
auf einen eigenen kleinen Lebenskosmos, verholzte, scheinbar tote Stämme erwachen zu neuem Leben, trockene Blätter und Blüten offenbaren
nach Jahren ihre Heil- und Zauberkraft. Hinter den zurück gelassenen Ordnungen öffnen sich neue – gleichfalls stimmige. Trennungen und
Abschiede erweisen sich als Illusion, Zimmermauern werden gesprengt und neue Geheimnisräume“ dahinter entdeckt, in denen sich die
Versprechen des Geträumten, scheinbar nur Märchenhaften einzulösen beginnen – manchmal selbst mit der Rückkehr in die
bekannte Wirklichkeit.
Ein auf unaufdringliche Weise fesselndes kleines Meisterwerk, eine Entdeckung!“
Redaktion connection
Gesamturteil: Hervorragend
Doppel- und Mehrbödigkeit, auch Skurrilitäten, manchmal mit fast kafkaesken Zügen. Und doch: Kafka – Fehlanzeige. Diese Personen bleiben nicht stecken im Mahlrad der Absurditäten, sie bewegen sich in den Dschungel der Seele hinein, sie begegnen Zwielichtigem, Zauber und Schrecken – und entdecken neue begehbare Pfade: vor allem die zu sich selbst.“
Der Publizist und Schriftsteller Nino Erné
Jetzt habe ich sie gelesen: Der Tunnelgarten, Der Katzenmann, Der Spinnenkeller, Das Marienkäferkind. Bewundernswert, toll! Dieses Hineinführen in das Grauen und das wieder Hinausführen aus dem Grauen. Und wie mühelos alles klingt. Eine Sprache wie Samt.“
Die Lyrikerin und Rezensentin Nordmar-Bellebaum
Amazon.de 4 Sterne
Im mittleren Rumänien, im ehemaligen Siebenbürgen, taucht ein zwölfjähriges Mädchen auf,
von den Dorfbewohnern schließlich das "kleine Zigeunermädchen" genannt. Niemand kennt seine Herkunft. Es ist ein Mädchen mit einer
geheimnisvollen dunklen Aura, das für alle unnahbar bleibt. Bald stellen sich seltsame Phänomene ein: In den Ställen verendet Vieh, auf
den Höfen macht sich eine panikartige Unruhe breit. Ein paar Bauernkinder berichten, Schlangen gesehen zu haben. Aber die Giftschlangen geben nur
immer weitere Rätsel auf...
Wie ein schweres Fieber lastet eine nicht greifbare Bedrohung über dem Dorf. Doch es ist nur der Ausbruch
einer lange schwelenden Krankheit. Vor Jahren hat sie eine tiefe Wunde in die Dorfgemeinschaft gebrannt. Unverheilt, wie ein Eitergeschwür,
reißt sie plötzlich auf, und niemand erkennt zunächst, dass die Spuren direkt zum "kleinen Zigeunermädchen" führen.
Erzählt wird die Begebenheit von einer neunzigjährigen damaligen Augenzeugin. Sie spricht von einem
"Sommer der Schrecken und Wunder", und berichtet von einem paranormalen Phänomen, das sie in diesen Wochen zutiefst verwirrte: ein
"Besessenheitsphänomen" mit dem Sog seiner nochmals "magischen" Begleitwirkungen. So sehr die Ereignisse eine Begegnung mit dem Irrationalen zu sein
scheinen - in einer anderen Sichtweise leuchtet doch alles in einer eigenen "Logik" auf, durchaus in sich stimmig und Erklärungen zugänglich.
Darüber hinaus handelt es sich um eine zweifache Liebesgeschichte -: so anrührend, von Scheu und
Verletzlichkeit in dem einen Fall wie im anderen Fall von Hingabe und bedingungslosem "Einanderverfallensein" geprägt, wie Liebe nur sein kann.
Amazon.de 5 Sterne
Amazon.de 4 Sterne
Diese Erzählung beruht auf einer unglaublich klingenden Begebenheit, die sich in den wesentlichen Details in Berlin im Jahr 1982 tatsächlich so zugetragen hat:
Eine an Klaustrophobie leidende Frau sucht Hilfe bei einem Hypnosetherapeuten und durchbricht dabei einen „Zeittunnel“, der sie in eine ferne ägyptische Zeit zurückführt. Sie erlebt dort ihren eigenen Tod, eingemauert in ein kleines Tempelverlies, qualvoll verdurstend. Das Unrechtsurteil sprach ein ägyptischer Hohepriester, der sie gegen besseres Wissen einer schweren Gebotsübertretung als Tempeldienerin bezichtigt. – Eben dieser Hohepriester macht an anderer Stelle vernehmlich auf sich aufmerksam und gibt detaillierte Anweisungen für ein ägyptisches Versöhnungsritual, um das er dringend bittet und das ihn von der Last seiner alten Schuld befreien soll.
Eine spannende Vorgeschichte, durch die sich ein reiches Panorama altägyptischen Lebens zur Zeit der Pharaonen entfaltet. Eine ereignisreiche Gegenwartsgeschichte, die zwischen den feindlich aufbrechenden Fronten, denen einer alten Magie, nach und nach Klarheit schaffen muss. Und schließlich eine über die Zeiten hin dauernde Liebesgeschichte.
Goldwaage-Verlag
ISBN 978-3-9814422-4-3